Comics! Mangas! Graphic Novels! (Bundeskunsthalle)

Gerade noch rechtzeitig in die Ausstellung gegangen, bevor sie endet: Seit Mai schon hatte die Bundeskunsthalle eine Ausstellung zur Entwicklung des Comics, aber erst gestern, einen Tag vor dem Ende, habe ich es in die Ausstellung geschafft.

Mein Fazit: Für Anfänger und Besucher ohne Vorkenntnisse didaktisch gut aufbereitet und sinnvoll ausgewählt. Hier und da hätte ich mir deutlich mehr Tiefe gewünscht (z. B. bei den etwas stiefmütterlich behandelten Superhelden-Comics).

Ins Grübeln bin ich gekommen bei der Frage, welche Exponate eigentlich den Comic als solchen angemessen einfangen: An den Wänden hingen die Originalzeichnungen, soweit möglich, zum Teil noch ohne Nachbearbeitung („inking“) und Farbe, in Schaukasten gabs dann auch die Hefte zu sehen. Zum Blättern standen auch passende Buchhandelsausgaben bereit. Aber gerade die Wandexponate (etwa zu Frank Millers Sin City) wirkten ohne Nachbearbeitung roh und unfertig, die Magie ging ein bißchen verloren, dafür durfte man gewissermaßen einen Blick in die Werkstatt der Künstler werfen.

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Software-Abomodelle: Sackgasse oder Weg in die Zukunft?

Schon länger wird im Software-Bereich ein Geschäftsmodell ausprobiert, das offenbar von vielen für ein Zukunftsmodell gehalten wird: Software as a Service (SAAS), auf gut Deutsch: Man kauft Software nicht mehr, sondern „mietet“ sie für einen definierten Zeitraum (monatlich, halbjärlich, jährlich).

Bewusst wahrgenommen habe ich das zunächst eher aus der Ferne: Microsoft Office 365 und Adobe Creative Cloud sind die Platzhirsche dieses Abo-Modells. In beiden Fällen erhält man ein umfangreiches Software-Paket mit Updates und Cloud-Speicherplatz; das Abo-Modell ist gegenüber dem Einmalkauf sogar, wenn man alle Leistungen einpreist, vermutlich ein Schnäppchen.

Nun, ich bin weder Abonnent von Office 365 noch Adobe CC, sondern benutze stattdessen bislang abofreie Alternativen: LibreOffice am Mac und Pages auf iOS für Office-Dokumente (.docx etc.) und PDFPen Pro am Mac und PDF Expert auf iOS.

Abos habe ich für Software nur für Programme abgeschlossen, die eine Serveranbindung als Mehrwert bieten; bislang Evernote (gerade gekündigt) und Bear. Nun schwenken aber Software-Firmen, deren Produkte ich gerne genutzt habe, ebenfalls auf SAAS um, und ich bin ehrlich gespalten, wie ich mich dazu als Kunde verhalten soll. Im Einzelnen betrifft das TeacherTool, einen sehr nützlichen, elektronischen Lehrerkalender und Ulysses, einen sehr schicken Markdown-Editor.

Beide Programme sind sehr ausgereift und werden, soweit das aus Nutzersicht überhaupt ersichtlich wird, von engagierten Teams gepflegt; diesen Teams ist ein auskömmliches Einkommen natürlich zu wünschen. Gleichwohl: ich habe eine ausgesprochene Aversion gegen Abo-Modelle bei Software. Wenn die Nutzung der Software an zeitlich begrenzte Autorisation geknüpft ist, sind die Daten, die in dieser Software entstehen und ggf. gelagert sind, mit Pech irgendwann nicht mehr zugänglich (z. B. weil die Firma dicht macht und den Autorisationsserver abschaltet). Der Fairness halber sei angemerkt, dass weder die Macher von TeacherTool noch von Ulysses ihre Programme soweit funktionstechnisch „verkrüppeln“, dass ein Datenexport nach dem Ende des Abos nicht mehr möglich ist. Dennoch: die Gefahr besteht.

Im Moment neige ich dazu, diese Abonnements nicht abzuschließen und mit den vorhandenen Versionen weiterzuarbeiten, bis es nicht mehr geht. Das heißt aber auch: die Augen nach Alternativen aufhalten (wie ich es gerade mit Evernote gemacht habe).

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I just shot the elephant in the room: Adieu Evernote.

Evernote war mir lange Jahre ein treuer Begleiter (und quasi das Rückgrat meiner digitalen workflows Arbeitsabläufe; darüber habe ich zum Beispiel hier und hier geschrieben). Gleichwohl hat mir der Evernote-Service immer mal wieder Grund, sich zu ärgern, geliefert: Gerade die Apps für das Apple-Ökosystem (OS X, iOS) waren so eine Art Design-Spielweise, so dass mitunter bei – kaum zu umgehenden – Updates meine Arbeitsabläufe empfindlich gestört wurden bzw. neu strukturiert werden mussten. Die große Flexibilität von Evernote hat diese Mühe aber immer noch rechtfertigen können. Mittlerweile ist meine Liebe zu Evernote aber etwas abgekühlt, weil ich den Eindruck habe, dass der Service sich in eine Richtung entwickelt, die meinen Bedürfnissen nicht mehr unbedingt entspricht; sinnvolle Features (z. B. Presentation Mode) werden ohne erkennbare Not erfernt, andere Features dem Nutzer aggressiv aufgedrängt (z. B. Work Chat, Context). Nicht zuletzt haben die Preise des Premium-Abos merklich angezogen. Dass ich Evernote bislang weiter benutzt habe, lag schlicht daran, dass alle möglichen erwogenen Alternativen für meine Arbeitsabläufe nicht recht zu funktionieren schienen.

Nun aber habe ich erst einmal mein Premium-Abo (kurz vor der Verlängerung) gekündigt. Denn ich bin auf einen potentiellen Nachfolger gestoßen, dem ich zunächst mal eine Chance einräumen werde: Bear, eine Art schlankere Evernote-Konkurrenz, die auf den ersten Blick alle Funktionen abdeckt, die ich für meine Arbeit brauche. Die Exportfunktionen sind sogar deutlich schicker als bei Evernote; die Besprechungen in The Verge und MacStories kommen zu einem ähnlichen Urteil. Es gibt sogar eine Import-Funktion für Evernote-Notizen, die ich aber noch nicht getestet habe.

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Neuerscheinung: Leben leben (Oberstufe) – jetzt auch für Lehrer.

Der Lehrerband zu Leben leben (Oberstufe) von Klett ist seit etwa einem Monat im Handel; nun haben mich auch die Belegexemplare erreicht.

Zu diesem Band habe ich die Erläuterungen zu den von mir betreuten Modulen des Schülerbandes (Anthropologie (1.1 und 1.2), Utilitarismus [ohne Präferenzutilitarismus]) beigesteuert.

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Neue Aufgaben.

In der vorigen Woche habe ich von der Bezirksregierung Köln eine „unbefristete Beauftragung“ (so heißt das im Verwaltungsdeutsch) bekommen – und freue mich über die neuen Aufgaben und Verantwortlichkeiten sehr. Meiner bisherigen Wirkungsstätte bleibe ich aber erhalten (und da bin ich auch froh drum; Alltag erdet).

Ich freue mich auch auf die Zusammenarbeit mit einem neuen Kollegium und den Lehramtsanwärterinnen und -wärtern.

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Foucault, der Klassiker

In seiner viel zitierten Antrittsvorlesung am Collège de France, die 1971 unter dem Titel L’ordre du discours (Die Ordnung des Diskurses) veröffentlicht wurde, befasst Michel Foucault, der am Collège von 1970 bis 1984 den Lehrstuhl für die Geschichte der Denksysteme inne hatte, sich mit den Prozeduren, die diese Denksysteme ermöglichen, eben den Regeln des Diskurses; es handelt sich um Ausschluss- aber auch Kanalisierungsprozeduren, die das Sagbare quasi in seine diskursiven Schranken weisen.

Zu diesen Prozeduren gehört auch die Kanonisierung, die Erhebung in den Stand des Klassikers, dem Max Frisch (dabei auf Bertolt Brecht zielend) eine „durchschlagende Wirkungslosigkeit“ bescheinigte. Nun (eigentlich schon 2015, aber mir war es bislang entgangen) hat es eben auch den Diskursanalytiker ‚erwischt‘: er ist mit seinen zu Lebzeiten veröffentlichten Werken in die Bibliothèque de la Pléïade aufgenommen, die Bändchen mit dünnem Bibelpapier und Ledereinband signalisieren nichts so sehr wie eben diese Kanonisierung, vor der Foucault sich selbst immer auch ein wenig gefürchtet hat.

Wollen wir hoffen, dass seine Gedanken nicht in diesen Bänden verstauben, sondern weiter Anregungspotential bieten.

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Lehrer sind Handwerker.

How to make a good teacher, Fundstück aus dem Economist (Juni 2016) via JochenEnglish:

With teaching as with other complex skills, the route to mastery is not abstruse theory but intense, guided practice grounded in subject-matter knowledge and pedagogical methods.

Das deckt sich mit meiner „privaten“ Theorie, dass Lehrer gut beraten sind, sich primär als Handwerker, als professionals, zu verstehen und nicht als „Berufene“. (Spaß machen darf es ja trotzdem.)

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Korrekturfarben (Herbstedition)

Nach einem schönen August und einem milden September ist im Oktober der Herbst nun definitiv da. Zeit also für einen neuen Beitrag zur Reihe „Alternative Korrekturfarben“ (Teil 3). Wenn die Blätter sich färben, entsteht eine schöne Mélange aus Braun-, Orange- und Rottönen. Die sehr passend benannte Tinte Autumn Oak der englischen Firma Diamine greift dieses Farbenspiel kongenial auf – und ist mein Vorschlag für eine herbstliche Korrekturfarbe. Es handelt sich nicht um einen genuinen Rotton, aber er dürfte sich dennoch angemessen von den schwarzen/blauen Farben der Schülerarbeiten abheben.

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Wenn’s auch mal heller sein darf …

Damit’s auch wirklich eine Serie wird:

Teil 2 der Serie „Alternative Korrekturfarben“

Nachdem die letzte Tinte eher ins Dunkelrote changiert, hier einmal etwas Helleres. Eine meiner Lieblingstinten ist die fuyu-gaki von Pilot iroshizuku. (Eine Tintenbesprechung gibt’s beim Pen Addict.)

Damit habe ich schon den einen oder anderen Vokabeltest korrigiert; trotz der lästigen Arbeit zaubert mir die Farbe immer mal wieder ein Lächeln ins Gesicht.

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Es muss nicht immer (Lehrer-)Rot sein …

Teil 1 der Serie „Alternative Korrekturfarben“

Im Abitur sind in NRW die Korrekturfarben festgelegt: Rot schreibt der Erstkorrektor, grün oder braun der Zweitkorrektor.

In allen anderen Fällen gilt eigentlich nur: Die Korrekturen müssen sich vom Ausgangstext des Schülers abheben. Das erfüllt natürlich auch das typische Lehrerrot (Pelikan 2001 Brillant Rot, Lamy Rot oder – sehr teuer, aber leuchtstark – Caran d’Ache InfraRed).

Aber es gibt so viel andere und schöne Farbnuancen, mit denen man den Anmerkungen an des Schülers (oder der Schülerin) Elaborat im wahrsten Sinne des Wortes etwas Farbe verleihen kann. Meine persönlichen Favoriten sind die japanischen Tinten, die sich an Farbvorbildern aus der Natur orientieren. Vor allem Pilot Iroshizuku und Sailor (v. a. Colors of Four Seasons) sind toll. Man bekommt sie hierzulande im Fachhandel oder kann sie auch leicht aus Japan importieren (letzteres ist i.d.R. billiger).

Warum nicht statt langweiligem Rot mal mit oku-yama* (der Ton entspricht etwa der Farbe einer reifen Pflaume) korrigieren?

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Schönere Bilder und eine sehr genauere Beschreibung/Bewertung dieser Tinte hat The Pen Habit.

*) oku-yama = (in etwa) schwer zugänglicher Berg, vulgo: unberührte Natur

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