Foucault, der Klassiker

In seiner viel zitierten Antrittsvorlesung am Collège de France, die 1971 unter dem Titel L’ordre du discours (Die Ordnung des Diskurses) veröffentlicht wurde, befasst Michel Foucault, der am Collège von 1970 bis 1984 den Lehrstuhl für die Geschichte der Denksysteme inne hatte, sich mit den Prozeduren, die diese Denksysteme ermöglichen, eben den Regeln des Diskurses; es handelt sich um Ausschluss- aber auch Kanalisierungsprozeduren, die das Sagbare quasi in seine diskursiven Schranken weisen.

Zu diesen Prozeduren gehört auch die Kanonisierung, die Erhebung in den Stand des Klassikers, dem Max Frisch (dabei auf Bertolt Brecht zielend) eine „durchschlagende Wirkungslosigkeit“ bescheinigte. Nun (eigentlich schon 2015, aber mir war es bislang entgangen) hat es eben auch den Diskursanalytiker ‚erwischt‘: er ist mit seinen zu Lebzeiten veröffentlichten Werken in die Bibliothèque de la Pléïade aufgenommen, die Bändchen mit dünnem Bibelpapier und Ledereinband signalisieren nichts so sehr wie eben diese Kanonisierung, vor der Foucault sich selbst immer auch ein wenig gefürchtet hat.

Wollen wir hoffen, dass seine Gedanken nicht in diesen Bänden verstauben, sondern weiter Anregungspotential bieten.

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