Europa-Politik zum Anfassen

Meine Klasse hat in der letzten Woche an zwei Tagen ein europapolitisches Planspiel durchgeführt. In dem Planspiel, das von einem Referenten der Karl-Arnold-Stiftung organisiert wurde, wurde eine Sitzung des EU-Ministerrates simuliert, in dem über eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und über den Beitritt neuer Länder (Ukraine, Kroatien, Türkei) verhandelt wurde.

Der erste Tag diente der Vorbereitung des Planspiels: Es galt allerlei über die Geschichte der Europäischen Union (von der Montanunion bis in die Gegenwart) und ihre Institutionen herauszufinden. Nicht zuletzt mussten die Schüler sich auf ihre Rolle (z. B. als EU-Kommissionsmitglied oder als Außenminister eines EU-Staates) vorbereiten und sich zu diesem Zweck in ihr jeweiliges Themengebiet intensiv einlesen. Der zweite Tag war dann dem eigentlichen Planspiel gewidmet: Nach einer beklatschten Rede des „Präsidenten“ der EU-Kommission wurde über die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und die Einrichtung einer schnellen Eingreiftruppe debattiert. Die Debatte verlief kontrovers, weil die „Vertreter“ einiger Länder vor dem Hintergrund ihrer privilegierten Beziehungen zu den USA Konflikte mit dem Bündnispartner erwarteten. Nicht weniger kontrovers wurde auch ein möglicher Beitritt der Türkei, der Ukraine oder Kroatiens diskutiert; den Ländervertretern war zuvor die Möglichkeit eingeräumt worden, sich vor dem EU-Ministerrat zu präsentieren. Am Ende zäher Verhandlungen standen dann Angebote an die beitrittswilligen Länder, die von der mit Konditionen verbundenen Vollmitgliedschaft bis hin zum vorläufigen Partnerschaftsabkommen reichten.

Bei der abschließenden Evaluation zeigten sich die Schüler sehr angetan von dieser ‚anderen Art von Unterricht‘: Das Planspiel ermögliche es, intensiver in eine Thematik einzutauchen. Sogar die Erschöpfung im Zuge der zähen Verhandlungen empfanden einige als wertvolle Lernerfahrung: So spüre man gewissermaßen am Leibe, wie anstrengend, aber auch gewinnbringend Europa-Politik ausfallen kann. Bei der im Juni anstehenden Fahrt nach Strasbourg werden die Schüler ihre Erfahrungen bei einem Besuch des Parlaments und des Europarats noch vertiefen können. Ich verbuche die Veranstaltung als gelungen und werde sie in ähnlicher Form bestimmt noch einmal durchführen.

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