Digitale Schultasche 11: Launch Center Pro (iOS)

Mittlerweile habe ich einen für mich recht „runden“ digitalen workflow gefunden; dann und wann kommt aber doch eine App vorbei, die das Ganze noch runder machen könnte. Eine solche App ist das erst vor kurzem erschienene und mit viel Lob bedachte Launch Center Pro von Abb Cubby, das ich jedem iPhone- und iPad-Nutzer zur Optimierung des eigenen Arbeitens empfehle (leider handelt es sich nicht um eine Universal-App, auf dem iPad sieht Launch Center Pro also nicht berauschend aus).

Am Anfang konnte ich den Hype noch nicht nachvollziehen, aber so langsam erschließt sich mir, was für ein mächtiges und nützliches Werkzeug dieses kleine Programm innerhalb von iOS sein kann: Launch Center Pro startet eigentlich (nur) andere Programme – und wäre, wenn es sich auf diese Funktionalität beschränkte, überflüssig, denn innerhalb von iOS ist man ja mit ein, zwei Sweeps und Taps bei jedem Programm angekommen. Was Launch Center Pro aber zu einer echten Bereicherung macht: Es kann nicht nur Programme starten, sondern ganz konkrete Aktionen auslösen (z. B.: „Öffne das Mailformular mit folgendem Text und folgendem Adressaten“ oder „Öffne folgendes Dokument in meinem PDF-Reader“ oder „Lege einen Kalendereintrag mit folgenden Daten an“). Schritte, die man häufiger durchführen muss, lassen sich mit dem Programm also automatisieren respektive beschleunigen.

Ein paar ausgefuchste Ideen für das Zusammenspiel mit Omnifocus, meinem Leib- und Magen-Taskmanager, hat Michael Schechter ausbaldowert und stellt sie auf seiner Homepage zur Verfügung (inklusive Screencast!). So ist es etwa möglich, Tasks mit bestimmten Textbausteinen direkt in Launch Center Pro zu generieren und dann erst Omnifocus zu öffnen; das macht die einzelnen Prozesse noch schneller – v. a. bei sich nicht ändernden regelmäßig auftretenden Aufgaben.

Brett Kelly, der Autor von Evernote Essentials (von dem E-Book hört man Gutes, aber es ist grotesk überteuert), hat sich auch Gedanken über Launch Center Pro gemacht; Kellys Überlegungen sind etwas grundsätzlicher: Wie lässt sich das Programm in den eigenen, schon bestehenden workflow integrieren? Er geht dabei von dem Problem aus, dass einem bei häufiger Nutzung bestimmte Bewegungsabläufe in Fleisch und Blut übergegangen sind (muscle memory), das neue Programm muss quasi gegen diese Bewegungsabläufe antreten. Bei seiner adoption strategy greift er auf eine andere Funktion von Launch Center Pro zurück: Man kann einzelne Apps oder Aktionen zu so genannten „Gruppen“ zusammenfassen. So kann man viele gleichartige Apps bündeln und leicht greifbar halten, ohne dass sie den Startbildschirm „vollmüllen“.

Leider arbeitet Launch Center Pro (noch) nicht mit jeder App zusammen, aber es kann auf jedes Programm zugreifen, dass die internen URL-Schemata von iOS benutzt (diese dienen der Kommunikation von Apps untereinander). So ist es zum Beispiel möglich, in der App einen Link auf ein PDF in GoodReader zu setzen (die Links beginnen mit gropen://), so dass man es direkt aufrufen kann, ohne im Dateisystem des PDF-Readers herumnavigieren zu müssen. Ähnlich greift auch Schechter (s. o.) auf Omnifocus zu.

Ich habe die Anregungen von Schechter und Kelly in meinem eigenen Vorgehen kombiniert; zusammengehörige Apps werden unter Funktions“gruppen“ zusammengefasst („Lesen“, „Shopping“, „Foto“, „Capture“) und sind so nur einen Fingertipp entfernt; zugleich habe ich mir Shortcuts für wiederkehrende Tätigkeiten angelegt („Neue Email“, „Neuer Kalendereintrag“, „Neuer Omnifocus-Task: Klausuraufsicht“, „Neuer Omnifocus-Task: Vertretung“ – typische Dauerbrenner-Tasks für Lehrer… ;)). Bestimmte Sachen lassen sich jetzt mit deutlich weniger Taps realisieren. Ich hänge eine Galerie meines Launch-Startbildschirms und meiner „Gruppen“ an. Vielleicht bringe ich ja den einen oder anderen auf eine Idee.

Startbildschirm mit Shortcuts und Gruppen

Gruppe „Omnifocus“ mit definierten Aktionen

 

Gruppe „Capture“ mit Shortcuts zu den „Texterzeuge“-Apps

 

Gruppe „Foto“ (leider noch ohne die iPhone-eigene Kamera-App)

Bei der Anordnung der Apps innerhalb der Gruppen habe ich Brett Kellys Modell adaptiert: Die Apps und Aktionen sind so angeordnet, dass sie beim Bedienen nicht vom (rechten) Daumen verdeckt werden. Fürs iPad habe ich noch eine eigene Gruppe „Goodreader“ mit Links zu häufig aufgerufenen PDFs.

Dieser Beitrag wurde unter Digitaler Workflow, Software und Apps abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.